Wasserkraft

Der nächste Schritt

Weinheim, Juni. 2014
Das Projekt „Wasserkraft im Weschnitztal“ kann einen wichtigen Schritt nach vorn vermelden: Nachdem die Finanzierung der Projektstudie zu diesem Thema durch Zuschüsse der Stadt Weinheim, der Gemeinde Birkenau, des Gewässerverbandes, des Landes BW und durch Privatspenden gesichert werden konnte wurde jetzt der Auftrag an das Ingenieurbüro GROSS vergeben. Schwerpunkt der Studie wird die Gewässer-ökologische Verbesserung der Weschnitz zwischen Weinheim und Birkenau und ihre Machbarkeit und Finanzierbarkeit durch die Verbesserung der Energie-Gewinnung sein.
Da der RTE keine „juristische Person“ ist konnte als Auftraggeber der Studie die Energie-Genossenschaft Starkenburg gewonnen werden, das Ergebnis der Studie wird voraussichtlich im 4. Quartal 2014 vorliegen.

 

 

Eine nutzbare Kraft, die immer da ist !

Weinheim, Jan. 2014

Die Wasserkraft der Weschnitz könnte im Falle einer großen Energielösung Strom für gut 800 Haushalte liefern

 

© Norbert Kramer Weinheim Weschnitz 1.6.2013

Manchmal ist sie ein träges Flüsschen, dann wieder ein reißender Strom, immer aber ein rauschender Bach in einem romantischen Tal: Die Weschnitz strömt im Durchschnitt mit 1200 Liter Wasser pro Sekunde zu Tal. Dabei hat sie zwischen dem Wehr am Ausgang von Birkenau und der Unteren Hildebrand’schen Mühle in Weinheim immerhin 27 Meter Gefälle! Würde man dieses Gefälle komplett nutzen, dann könnten rund 3,2 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden – das entspricht Energie für gut 800 Haushalte und ist fast doppelt so viel wie die 4 heute noch in diesem Bereich bestehenden Mühlen erzeugen.

Große Lösung

Die Nutzung der kompletten 27 Meter Höhenunterschied wird als „Große Lösung“ in einem Konzept beschrieben, das der Arbeitskreis „Wasserkraft“ des Runden Tisches Energie (RTE) in Weinheim gemeinsam mit der Energie-Initiative Birkenau erarbeitet hat. Es bietet eine Grundlage für konkretere Gespräche mit Stadt, Kommunen, Anrainern, Umweltverbänden und möglichen Investoren, denn alle müssten an einem Strang ziehen und die verschiedenen Interessen zusammengebracht werden, um die Kraft der Weschnitz auf den 1,8 Kilometern zwischen Birkenau und Weinheim in einer neuen Wasserkraftanlage abzuschöpfen und die Weschnitz gleichzeitig zu renaturieren, d. h. das Bachbett in einen dem Urzustand ähnlichen Zustand zurück zu versetzen. Was an Vorschlägen in dem Arbeitskreist bislang erarbeitet wurde hat Hand und Fuß, schließlich arbeiten neben dem Wasserkraft-erfahrenen Walter Fuchs mit Friedrich-Wilhelm Amme und Klaus Schwecke auch zwei Mühlenbau-Techniker im RTE mit, die seit langem in Weinheim leben. Vor ihrem Ruhestand haben sie in einer Großmühle in Mannheim bzw. bei Drei Glocken in Weinheim gearbeitet und in dieser Zeit den Odenwald kennen und lieben gelernt.

Wie sähe die „Große Lösung“ aus?

Um die Kraft der kompletten 27 m Fallhöhe in einer einzigen Anlage zu erfassen hatten unsere Vorfahren bereits um das Jahr 1900 über den Bau einer entsprechend hohen Staumauer nachgedacht, die das Weschnitztal in einen Stausee verwandelt hätte, diese Idee aber bald wieder fallen lassen. Heute bietet moderne Technik die Möglichkeit, mit einer unterirdischen Rohrleitung den gleichen Erfolg zu erreichen. Dafür soll das alte Stauwehr am Ortsausgang von Birkenau durch ein neues, versenkbares Schlauchwehr ersetzt werden, das bei Hochwasser auch Ãœberschwemmungen bei den Anliegern verhindern würde. Von diesem neuen Wehr bis zur Unteren Hildebrand’schen Mühle würde eine Rohrleitung mit einem Durchmesser von 1,20 Metern auf der Hangseite der Weschnitz in die Erde verlegt und die ganze Kraft der Weschnitz könnte am Ende eine Turbinenanlage antreiben, die mit größtmöglicher Effizienz CO²-freien Strom erzeugt, wie Friedrich-Wilhelm Amme erklärt.

Die anderen heute bestehenden 5 Stauwehre könnten abgebaut und das Bachbett in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden. Dabei wird selbstverständlich auch darauf geachtet, dass der natürliche Weschnitzlauf ausreichend mit Wasser versorgt wird und die Fische und die anderen Bewohner der Weschnitz wieder ungehindert auf- und abwärts ziehen können. In den wenigen Wochen des Jahres, in denen die laichfähigen Lachse aus dem Atlantik zurückkehren, hätten selbst diese großen Fische die Möglichkeit, Bach-aufwärts in ihre Laichgebiete zu schwimmen! Friedrich-Wilhelm Amme: „Wir suchen nach Lösungen, die allen Beteiligten Vorteile bringen. Deshalb haben wir sowohl die Anrainer als auch die Naturschutzverbände BUND und NABU nach ihren Wünschen und Interessen befragt, letztere konnten leider noch nicht zu Stellungnahmen bewegt werden“.

Weitere positive Nebeneffekte

Neben der Renaturierung des Bachbettes denkt der Arbeitskreis im Rahmen dieses Projektes als ein weiteres „Highlight“ daran, auf der Trasse der eingegrabenen Rohrleitung einen Wanderweganzulegen, auf dem Einheimische und Touristen das Canyon-artige, romantische Tal der Weschnitz abseits der vielbefahrenen und lauten B38 erwandern können. Der früher hier vorhandene Weg ist an einigen Stellen noch gut zu erkennen, wurde aber im unteren Teil vor einigen Jahrzehnten gesperrt und ist nicht mehr passierbar.

Alternativen

Gelänge es nicht, die sehr unterschiedlichen privaten und öffentlichen Interessen unter einen Hut zu bringen, wäre alternativ auch eine „kleine Lösung“ denkbar. Dann würde von Birkenau bis nach der Unteren Fuchs’schen Mühle die Wasserkraft mit nur zwölf Metern Gefälle genutzt, natürlich mit entsprechend geringerer Erzeugung „grünen Stromes“.

Alle müssen mitspielen!

Die Mitwirkung des RTE Weinheim, der Energie-Initiative Birkenau und eines auf solche Projekte spezialisierten Ingenieur-Büros garantiert das nötige Fachwissen bei der Umsetzung der „Großen Lösung“ und der Gewinnung regenerativer Energie aus der Kraft der Weschnitz!. Das komplizierte Wasserrecht und die Beteiligung zweier Bundesländer erschweren zwar das Projekt und erfordern einen langen Zeithorizont, alle beteiligten Behörden haben jedoch bereits sehr positives Interesse an diesem Projekt bekundet und ihre Hilfe angeboten. Und selbst BW-Umweltminister Untersteller hat sich bei seinem Besuch in Weinheim von Herrn Amme über das Projekt informieren lassen. Allerdings liegt auch noch mancher Stein im Weg, ehe die Realisierung einer solch großen Investition in einer Energie-Genossenschaft mit Bürger-Beteiligung oder in sonstiger Regie ins Auge gefasst werden kann, aber Steine sind bei einem Bachbett ja keine Seltenheit und rollen langsam aber stetig weiter!

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